Pings Heimat ist die Antarktis – ein wenig abwechslungsreicher Ort am
südlichsten Punkt unserer Erde. Er stammt aus einer ganz normalen
Familie von Kaiser-Pinguinen. Bekanntlich haben sich diese Tiere
perfekt ihrer rauen Umgebung angepasst. Leider trägt ihr
Perfektionismus auch eine ausgeprägte Monotonie nach sich. Und so
gleicht ein Pinguin dem nächsten bis auf die Feder. Ping ist da keine
Ausnahme, doch im Gegensatz zu seinen Verwandten und Freunden stört ihn schon immer diese Eintönigkeit. Er will sich nicht dem ewigen
Trott des Pinguinzyklus ergeben, sondern sein eigenes Ding drehen. Er
will seiner ganz eigenen Natur Ausdruck verschaffen: der Ping-Natur.
Und so macht sich dieser außergewöhnliche Pinguin auf, die Welt
kennen zu lernen.
Pings erste Station nach seinem Aufbruch (der nicht wenig Flügelwinken und Pinguintränen kostete) ist Feuerland an der südlichsten Spitze Argentiniens: Dort lernt er Al kennen. Al ist ein Alpaka und sieht aus wie eine Kreuzung aus Schaf und Giraffe. Und trotz dieser eigenartigen Mischung strahlt Al förmlich vor Charisma – nicht zuletzt wegen seiner großen, ausdrucksstarken Augen. Ping schließt ihn sofort in sein Herz. Und Al nimmt ihn gleich mal mit zu seiner Herde und stellt ihn all seinen Freunden und Verwandten vor. Er erzählt Ping, dass alle Alpakas hier denselben Job haben und damit gar nicht schlecht verdienen: Sie lassen sich das Fell über die Ohren ziehen. Aber keine Sorge, das tut nicht weh. Eigentlich wird ihnen nur hin und wieder das Fell geschoren - wie beim Friseur, nur ohne waschen, legen, föhnen. Dafür können sie umsonst auf der großen, grünen Wiese grasen und sich den Wind um die Nasen wehen lassen. Al erzählt auch, dass sie früher, bei den Inkas, ausschließlich für das Königshaus Haare gelassen haben. Deshalb wurde ihr Stoff auch als Gold der Inkas bezeichnet. Nicht schlecht, hm? Aber die Zeiten haben sich eben geändert. Dafür sind Al und seine Kumpels jetzt weltweit für ihre erstklassige Ware bekannt: Die Alpakawolle eignet sich nämlich wegen ihrer besonderen thermischen Beschaffenheit sowohl für den Sommer als auch für die Winterzeit. Der feine Stoff fühlt sich außerdem sehr angenehm an, ist farbecht und beinah unverwüstlich. Es gibt ihn in 22 natürlichen Farben, die sich auch färben lassen. Ping ist begeistert und stolz, so einen außergewöhnlichen Freund gefunden zu haben. Er will gleich mal selbst diesen Wunderstoff testen und springt in die erstbesten Wollberge am Rand der Weide. So weich und kuschelig war es bisher nur unter Papa-Ping’s Bauchfalte! Jetzt will auch Ping einen Pullover aus Alpakawolle. Er hat nur keine Ahnung, wie das gehen soll, denn als er aus dem Wollberg heraus steigt, bleiben nur einzelne Fäden und Wollbüschel in seinen Federn hängen. Das reicht nicht für ein Rundumwohlgefühl. Auch Al ist ratlos. Er hat keine Ahnung, wie aus seiner Wolle ein Pullover wird. Ping merkt schon: Er muss noch viel lernen. Am liebsten würde er ja hier bleiben. Doch was wäre denn das für eine Weltreise? Außerdem muss er das mit dem Pullover herausfinden. Ping lässt sich die Adresse von Al’s Weide geben, damit er ihm schreiben und bald wieder besuchen kann. Bei seinem Abschied schwimmen Al’s große, runde Augen in Tränen und auch Ping schnieft ein wenig durch seinen Schnabel. Huf und Flügel werden gedrückt und Ping watschelt weiter in die große, weite Welt hinein.